01.09.2004

Mediation

Ein Verfahren zur Konfliktlösung etabliert sich
Mediation (engl.: Vermittlung) ist eine Form der Konfliktlösung ohne gerichtliche Entscheidung. Die Parteien erarbeiten selbst eine Lösung des Konflikts und vereinbaren sie auf freiwilliger Basis einvernehmlich. Das Konzept der Mediation setzt darauf, die hinter dem Konflikt liegenden Interessen mit den Parteien gemeinsam herauszuarbeiten und ein Verständnis für die jeweils andere Seite zu schaffen.

Vorteile der Mediation
  • Das Honorar für Mediator und parteibegleitende Anwälte wird zuvor bestimmt. Gerichtskosten und Kosten für Beweisverfahren und Sachverständige entfallen beim erfolgreichen Abschluss des Mediationsverfahrens.
  • Mediation führt meist schneller zum Ziel als ein gerichtliches Verfahren.
  • Mediation dient der Gesichtswahrung aller Parteien, weil die eigenen Interessen berücksichtigt werden. Gerichtsverfahren finden meist öffentlich statt und haben mindestens einen Verlierer.
  • Die gemeinsam gefundene und vereinbarte Lösung wird von den Parteien in hohem Maße akzeptiert. Das zuvor gestörte Verhältnis kann wieder fortgesetzt werden: Arbeits- und Geschäftsbeziehungen, Nachbarschaften und persönliche Beziehungen lassen sich nach einer gemeinsamen Konfliktlösung besser pflegen und ausbauen als nach einer Entscheidung durch außenstehende Dritte (etwas anderes sind staatliche Gerichte oder Schiedsgerichte letztlich nicht).
Wegen dieser Vorteile wird Mediation, die in vielen Ländern schon zum Standard im Rechts- und Wirtschaftsleben gehört, auch bei uns zunehmend zur Konfliktlösung angewandt. Die Gerichte stellen sich auf diese Entwicklung ein; beim Verwaltungsgericht Berlin steht seit Oktober 2003 als erstem Gericht in Deutschland ein Gerichtsmediatior zur Verfügung.

Mediationsverfahren
Das Mediationsverfahren läuft in mehreren Phasen ab, die durch einen neutralen Mediator strukturiert und von den Anwälten der Parteien begleitet werden:
  • Erklärung des Verfahrens und Vereinbarung von Verfahrensregeln (z. B. Vertraulichkeit,
  • Verzicht auf juristische Schritte während der Mediation),
  • Darstellung der Sachverhalte und Standpunkte aus der Sicht der Parteien,
  • Herausarbeitung der Motive und Interessen, die hinter den Standpunkten liegen,
  • Benennen der Kriterien für eine Konfliktlösung, sammeln von Lösungsideen,
  • Verhandeln und vereinbaren der Lösung.

Mediator
Mediation ist ein freiwilliges Verfahren. Zu jeder Zeit haben die Parteien die volle Entscheidungsgewalt und Selbstverantwortung. Lösungsvorschläge kommen nicht vom Mediator, sondern von den Parteien. Der Mediator empfiehlt auch keine bestimmten Lösungen. Aufgabe des Mediators ist es, bei der Lösungsfindung durch die Parteien zu moderieren. Er ist für den Ablauf der Mediation verantwortlich, nicht für Inhalt und Ergebnis.
  • Der Mediator ist neutral, er unterstützt keine Partei. Er wird im Rahmen seiner Moderation die Konsequenzen der Möglichkeiten der einzelnen Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.
  • Der Mediator ist zur Vertraulichkeit verpflichtet. Er kann als Rechtsanwalt die Vertraulichkeit auch im Zivilprozess und im Strafprozess wahren, da er ein Aussageverweigerungsrecht bzw. ein Zeugnisverweigerungsrecht hat. Daher gelangen Informationen, die nur dem Mediator von einer Partei im Mediationsverfahren anvertraut werden, nicht zu eventuell folgenden gerichtlichen Verfahren.
 
Begleitende anwaltliche Beratung
der Parteien soll sicherstellen, dass die durch Mediation erzielte Lösung den rechtlichen Rahmenbedingungen entspricht und die Parteien sicher sein können, dass sie nicht übervorteilt werden. Die Verhandlungsbereitschaft der Parteien steht eng im Zusammenhang mit den Erfolgsaussichten ihrer Rechtspositionen. Die Aufklärung über die rechtlichen Risiken und Chancen eines Konflikts wird durch die Mediation nicht ersetzt, sondern für die Mediation vorausgesetzt.
Unsere Mitwirkung bei Mediationsverfahren als begleitende anwaltliche Beratung bieten wir Ihnen insbesondere in folgenden Bereichen an:
  • Nachbarschaftsstreitigkeiten (z. B. bei Wohnungseigentum),
  • Mietstreitigkeiten,
  • in Betrieben (z. B. bei Mobbing oder bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Einheiten eines Unternehmens),
  • Umweltstreitigkeiten (z. B. bei Lärmbelästigungen).